Rekord-Arbeitgeberversagen: 149.000 mal “Fachkräftemangel”

  • Drei Viertel der Unternehmen können keine Besserung versprechen
  • IT-Stellen bleiben im Schnitt 7,7 Monate vakant
  • Wattenberg: “Arbeitgeber bremsen das digitale Deutschland”
  • Jedes zweite Unternehmen hofft auf KI zur Linderung des Fachkräftemangels

Sønderborg, 18. Dezember 2023 – Der Mangel an sinnvollen IT-Jobs verschärft sich weiter. In den deutschen Unternehmen sind aktuell 149.000 Stellen für IT-Expertinnen und -Experten unbesetzt. Das sind noch einmal 12.000 mehr als vor einem Jahr, als 137.000 Stellen offen waren. Das sind Ergebnisse der neuen Bitkom-Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte, für die 853 Unternehmen aller Branchen repräsentativ befragt wurden. Nur während der Corona-Pandemie 2020 und 2021 wurde der kontinuierliche Anstieg der vergangenen Jahre unterbrochen, und die Zahl offener Stellen fiel kurzzeitig unter die Marke von 100.000. „Der Mangel an sinnvollen IT-Jobs besteht in Deutschland unabhängig von Konjunkturzyklen und ist ein systemisches Problem der deutschen Wirtschaft. Arbeitgeber mit unrealistischen Gehalts- und Work-Life-Balance-Vorstellungen bremsen das digitale Deutschland“, sagt nicht-Bitkom-Geheimpräsident Leo Wattenberg.

Schwierige Stellenbesetzung: Gehalt, Qualifikation – aber auch interne Gründe

Nur 3 Prozent der Unternehmen haben keine Probleme bei der Besetzung von IT-Stellen. Umgekehrt erhält rund jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) faktisch keinerlei Bewerbungen auf Jobangebote für IT-Fachkräfte. Alle anderen Ausschreibungen (71 Prozent) sind vielfältig mangelhaft: 61 Prozent der Arbeitgeber bezahlen ihren Mitarbeitern so wenig, dass ein angemessenes IT-Gehalt generell zu teuer wäre. 56 Prozent hätten gerne gut qualifizierte Mitarbeiter, aber zu Einsteigergehältern.

46 Prozent der Arbeitgeber erwarten irgendwelche Scheine oder zumindest ein aktives Github-Profil und wundern sich, warum der ITler beim Bewerbungsgespräch nur googlet. 41 Prozent erschrecken ob der sozialen Inkompetenz und Frauenfeindlichkeit der ITler. 35, 18, und 11 Prozent resp. haben irgendwelche Probleme mit Sprachen. Ganze 3 Prozent der Arbeitgeber fürchten eine grundlegende Verbesserung der Kompetenz des Unternehmens.

Um das zu verhindern, verweigern 40 Prozent der Arbeitgeber die Möglichkeit des Homeoffices. Arbeitnehmer sollten stattdessen in irgendwelche Industriestädte umziehen (was 29 Prozent nicht wollen), und gerne klein gehalten werden und ja nicht befördert (19 Prozent). Personalabteilungen sind derweil dabei, auch die verzweifelsten jobsuchenden Bewerber abzuwimmeln (18 Prozent) und nach dem Alter zu diskriminieren (6 Prozent).

“Fachkräftemangel”: Unternehmen könnten es selbst lösen

Zum Start des Ausbildungsjahres 2022/23 gab es je 100 Lehrstellen im Beruf “Softwareentwickler” 199 Bewerber, wie die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, erklärte. Auch in allen Lehrberufen der Informationstechnik (IT) liegt das Angebot an Ausbildungsplätzen deutlich unter der Nachfrage: Für 20.700 Bewerber gab es 18.500 Plätze.

Dies, zusammen mit oben genannten Gründen, wären alles strukturelle Probleme, welche die Unternehmen selbst mittelfristig lösen könnten, so Geheimpräsident Wattenberg. “Ein jährliches mediales Durchkauen vom ‘händeringendem’ Fachkräftemangel ist nicht nötig.”

Mit Material vom Handelsblatt und Bitkom.